Praxishinweise für Auftragsverarbeiter nach Art. 28 DS-GVO (GDD)

GDD-Praxishilfe DS-GVO XII
Praxishinweise für Auftragsverarbeiter nach Art. 28 DS-GVO
Datum: 29.05.2018
Quelle: https://www.gdd.de/gdd-arbeitshilfen/praxishilfen-ds-gvo/praxishilfen-ds-gvo

Hinweis: Diesesn Text habe ich nur der Webseite der GDD übernommen – er gibt einen guten Überblick über das Thema Auftragsverarbeiter – und hier sind Praxishinweise momenten dringend notwendig.

Quelle: Gesellschaft für Datenschutz und Datensicherheit e.V.

Die Auftragsverarbeitung wird zukünftig über Art. 28 DS‐GVO geregelt. Während die Norm teilweise bekannte Vorgaben an die Dienstleisterauswahl und die vertragliche Gestaltung stellt, enthält die DS‐GVO an verschiedenen Stellen eigene Rechtspflichten für Auftragsverarbeiter. Diese Praxishinweise der GDD möchten Hilfestellungen für Auftragsverarbeiter geben, wie die gesetzlichen Vorgaben umgesetzt werden können.
Diese Praxishilfe besteht in Ergänzung zur GGD Praxishilfe DS‐GVO IV – Mustervertrag zur Auftragsverarbeitung.

A. Einleitung

Art. 28 DS‐GVO stellt die zentrale Norm für die Auftragsverarbeitung dar.1 Beteiligte einer Auftragsverarbeitung sind der Verantwortliche und der Auftragsverarbeiter.
„Verantwortlicher“ ist die natürliche oder juristische Person, Behörde, Einrichtung oder andere Stelle, die allein oder gemeinsam mit anderen über die Zwecke und Mittel der Verarbeitung von personenbezogenen Daten entscheidet (Art. 4 Abs. 7 DS‐GVO). „Auftragsverarbeiter“ ist eine natürliche oder juristische Person, Behörde, Einrichtung oder andere Stelle, die personenbezogene
Daten im Auftrag des Verantwortlichen verarbeitet (Art. 4 Abs. 8 DS‐GVO). Gem. Art. 4 Abs. 10 DS‐GVO ist die Auftragsverarbeitung weiterhin dergestalt privilegiert, dass der Auftragsverarbeiter kein Dritter ist. Eine Beschränkung der Privilegierung auf den EWR‐Raum erfolgt nicht.
Auftragsverarbeiter im Drittland sind damit ebenfalls keine „Dritten“ für den Verantwortlichen.

B. Wann bin ich Auftragsverarbeiter?

Auftragsverarbeiter verarbeiten personenbezogene Daten im Auftrag des Verantwortlichen und auf Basis seiner Weisungen. Da die Leistungen eines Dienstleisters sehr vielschichtig sind, muss im Rahmen einer Einzelfallprüfung untersucht werden, ob eine Verarbeitung personenbezogener
Daten im Auftrag vorliegt.
Es bestehen jedoch Kriterien2, die bei der Prüfung zur Einordnung als Verantwortlicher oder Auftragsverarbeiter Unterstützung leisten können. So kann eine Stelle, die über die Zwecke der Verarbeitung personenbezogener
1 Im BDSGneu finden sich keine Regelungen und Vorgaben zur Ausgestaltung einer Auftragsverarbeitung i.S.d. DS‐GVO
Daten entscheidet, kein Auftragsverarbeiter sein. Bei der Beurteilung dieses Kriteriums ist zu untersuchen, • welchen Umfang der Handlungsspielraum des Dienstleisters bei der Auftragsvearbeitung hat,
• wie der Dienstleister durch den Auftraggeber überwacht wird
• die Expertise des Dienstleistes bei der Auftragsvearbeitung
• die Transparenz des Dienstleisters gegenüber dem Betroffenen.
Gleiches gilt für eine Stelle, die über die wesentlichen Mittel einer Verarbeitung entscheidet. Eine Entscheidung über „wesentliche Mittel“ einer Datenverarbeitung liegt in der Regel bei einem der folgenden Punkte vor:
• Welche Daten verarbeitet werden
• Wie lange sie verarbeitet werden
• Wer Zugang zu ihnen hat
Die alleinige Entscheidung des Auftragsverarbeiters über technisch‐organisatorische Mittel ist kein Ausschlussgrund für eine Auftragsverarbeitung.
Wird der Dienstleister mit der IT‐Wartung oder Fernwartung betraut und besteht hierbei die Notwendigkeit oder Möglichkeit des Zugriffs auf personenbezogene Daten des Auftraggebers, soll es sich nach Meinung der hiesigen Aufsichtsbehörden um eine Form der Auftragsverarbeitung
handeln und die Anforderungen des Art. 28 DS‐GVO sollen für die geschuldete Tätigkeit gelten.3 Bei einer rein technischen Wartung ohne Zugriff auf personenbezogene Daten des Auftraggebers gelten die Vorgaben des Art. 28 DS‐GVO entsprechend nicht. Ein möglicher Ablauf zur Einordnung des Dienstleisters als Verantwortlicher der Auftragsverarbeiter ist dem nachfolgenden Schaubild zu entnehmen:

Abbildung 1: Einordnung Dienstleister

Beispiele für Auftragsverarbeitungen sind:
• Cloud‐Computing
• Newsletterversand
• Datenerfassung, Datenkonvertierung
• Auslagerung der Lohn‐ und Gehaltsabrechnung
• Backup‐Auslagerung und Archivierung

Keine Auftragsverarbeitung stellen in der Regel dar:
3 DSK Kurzpapier Nr. 13, S. 3.
• Tätigkeiten und damit verbundene Verarbeitungen personenbezogener Daten von Berufsgeheimnisträgern (Rechtsanwälte, Steuerberater,
• Wirtschaftsprüfer)
• Die Übertragung des Forderungsmanagements
• an ein Inkassounternehmen
• Postdienstleistungen in Form des Brieftransports

2 Weiterführende Hinweise der Artikel‐29‐Datenschutzgruppe in Stellungnahme 1/2010 zu den Begriffen
„für die Verarbeitung Verantwortlicher“ und „Auftragsverarbeiter“ vom 16.02.2010 (WP169).
C. Verantwortlichkeiten in der DS-GVO

Durch die gesetzliche Abgrenzung zwischen Verantwortlichem und Auftragsverarbeiter bleibt es bei dem Grundsatz, dass der Verantwortliche grundsätzlich die Stelle ist, die über Zwecke und wesentlichen Mittel einer Datenverarbeitung entscheidet und für die Rechtmäßigkeit der
Verarbeitung insgesamt verantwortlich ist (vgl. Art. 24 DS‐GVO). Mit Anwendung der DS‐GVO werden jedoch auch dem Auftragsverarbeiter Rechtspflichten auferlegt, die er als Normadressat zu erfüllen hat. Dies ist eine fundamentale Veränderung zur alten Rechtslage, in der die gesetzlichen Vorgaben grundsätzlich nur gegenüber dem Verantwortlichen durchgesetzt werden konnten.

D. Pflichten für Auftragsverarbeiter

Auftragverarbeitern werden in zahlreichen Normen eigene Rechtspflichten auferlegt:

Abbildung 2: Rechtspflichten für Auftragsverarbeiter

Neben eigenen Pflichten beinhaltet die DS‐GVO Vorgaben für den Auftragsverarbeiter, um den Verantwortlichen bei der Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben zu unterstützen. Diese Unterstützungspflichten sind entweder unmittelbar (vgl. Schaubild 2) oder mittelbar aus anderen gesetzlichen Normen der DS‐GVO zu entnehmen. Im Rahmen der Auswahl eines Auftragsverarbeiters haben Verantwortliche gemäß Art. 28 Abs. 1 DS‐GVO darauf zu achten, dass dieser hinreichend Garantien dafür bietet, dass geeignete technische und organisatorische Maßnahmen so durchgeführt werden, dass die Verarbeitung im Einklang mit den Anforderungen dieser Verordnung
erfolgt und den Schutz der Rechte der betroffenen Person gewährleistet.
Vorgabe ist durch die Implementierung technischorganisatorischer Maßnahmen beim Auftragsverarbeiter zu konkretisieren. Die zu implementierenden Maßnahmen lassen sich modular aufbauen und können im Sinne einer Checkliste abgearbeitet werden4:

4 Vgl. hierzu ausführlich Datenschutzstandard „DS‐BvD‐GDD‐02“ für Auftragsverarbeiter gem. Art. 28 DS‐GVO (Veröffentlichung voraussichtlich 2. Quartal 2018).

Diese für eine sorgfältige Dienstleisterauswahl elementare

I. Leistungsbeschreibung

Die Leistungsbeschreibung (Auftrag) dient der Definition des zu betrachtenden Gegenstandes der Auftragsverarbeitung im Sinne des Art. 28 DS‐GVO, der Definition anderer Dienstleistungen des Auftragsverarbeiters und der Abgrenzung zur eigen‐genutzten internen (IT‐)Infrastruktur. Die Leistungsbeschreibung ist die verbindliche Grundlage für die Gestaltung der Vertragsbeziehung zwischen Verantwortlichem und Auftragsverarbeiter und sorgt für die erforderliche Transparenz der Datenverarbeitung. Es bietet sich an, die Beschreibung an der jeweiligen Phase einer Beauftragung durch einen Auftraggeber zu orientieren. So werden in der Auswahlphase vereinfachte Darstellungen im Hinblick auf den Gegenstand und den Umfang, die Art und den Zweck der Datenverarbeitung sowie angemessener Datenschutz‐ und IT‐Sicherheitsmaßnahmen ausreichend sein. In der Vertragsphase bieten sich Musterklauseln an, die auch auf konkrete IT‐Sicherheitsmaßnahmen Bezug nehmen.

II. Beschreibung der Herstellung

Die „Herstellung“ der Dienstleistung, sprich deren operative Durchführung, muss detailliert beschrieben sein. Die Dokumentation muss hinreichend vollständig, einheitlich und in sich schlüssig für Prozesse einer Dienstleistung vorgelegt werden können. Als Inhalte bieten sich an
• Flussdiagramme und Schnittstellen
• Eingesetzte Systeme, Hard‐ und Software
• Verantwortlichkeiten für den Datenumgang
• Eingesetzte weitere Auftragsverarbeiter
• Qualitätssicherungsprozesse
• Maßnahmen hinsichtlich Privacy by Design and by Default

III. Input‐Management

Datenweitergaben vom Verantwortlichen zum Auftragsverarbeiter in großem Umfang oder/und in hoher Regelmäßigkeit als Teil der Leistungserbringung sind umfassend zu dokumentieren. Eine Beschreibung der Schutzmaßnahmen und Abläufe der technischen Datenweitergabe
vom Verantwortlichen zum Auftragsverarbeiter hat zu erfolgen, inkl. der Kontrolle und Annahmedokumentation. Bei Verwendung externer Datenquellen außerhalb der Sphäre des Verantwortlichen ist die Rechtsgrundlage für die Datenverarbeitung zu dokumentieren.

IV. Auftragsmanagement

Ein Nachweis über funktionierende Schnittstellen zwischen den an der Leistungserbringung beteiligten Stellen und die vollständige Kontrolle über den jeweiligen Status eines Auftrags stehen beim Auftragsmanagement im Vordergrund. Der Auftragsverarbeiter hat den Nachweis zu erbringen,
dass ein revisionssicheres Auftragsmanagement implementiert ist. Verbindlichkeit, Handlungssicherheit und aktueller Status für jeden Auftrag müssen bei allen Beteiligten jederzeit sichergestellt sein. Zu den Beschreibungen zählen
• Abläufe der Auftragsbearbeitung, einschließlich der Tätigkeiten von weiteren Auftragsverarbeitern und Dienstleistern
• Beschreibung von Rollen und Schnittstellen
• Änderungsprotokollierung für die Auftragsverarbeitung

V. Output‐Management

Werden Datenweitergaben vom Auftragsverarbeiter zum Verantwortlichen als Teil der Leistungserbringung definiert, kann durch ein Output‐Management die Datenschutzkonformität
der entsprechenden Prozesse geprüft werden. Eine Weitergabe von Daten vom Auftragsverarbeiter
zum Verantwortlichen oder die Weitergabe an eine dritte Stelle muss sicher hinsichtlich Vertraulichkeit und Integrität sein und darf ausschließlich von hierfür autorisierten Personen durchgeführt werden. Hierzu müssen
 Abläufe der Datenübertragung beschrieben werden,
 ein Berechtigungskonzept erstellt werden,
 die Datenweitergabe protokolliert werden,
 IT‐Anwendungen auf die Möglichkeit eines Datenexports überprüft werden.

VI. Datenschutzkonzept

Ein Datenschutzkonzept stellt die Erfüllung der gesetzlichen Vorgaben sicher. Elementare Bestandteile des Datenschutzkonzepts eines Auftragsverarbeiters sind:

1. Eingabekontrolle

Veränderungen an Daten des Auftraggebers müssen angemessen protokolliert werden. Die Protokolle werden regelmäßig stichprobenartig kontrolliert, ob Veränderungen an Daten der Auftraggeber von berechtigten Personen durchgeführt worden sind.

2. Trennung von Daten verschiedener Verantwortlicher

Die Gewährleistung der Trennung von Daten ermöglicht, dass verschiedene Verantwortliche datenschutzkonforme Datenverarbeitungen von demselben Auftragsverarbeiter durchführen (lassen) können. Die Trennung kann auch ganz oder teilweise auf logischer Ebene stattfinden. Ein Berechtigungskonzept sorgt dafür, dass Daten von verschiedenen Auftraggebern getrennt verarbeitet werden können.

3. Auftragskontrolle

Die Auftragskontrolle gewährleistet, dass personenbezogene Daten nur weisungsgebunden verarbeitet werden (vgl. Art. 29 DS‐GVO). Der diesbezügliche Prozess muss bis zur untersten Ebene der Leistungserbringung Gültigkeit besitzen. Elementare Bestandteile der Auftragskontrolle sind
• Regelung der Form der Weisung (schriftlich oder in Textform)
• Dokumentation und Archivierung von Weisungen  Weisungsbefugte Personen und befugte Empfänger sind definiert
• Weisungen werden auf Datenschutzkonformität geprüft (Change Management)

4. Prozessbeschreibung Auskunft, Berichtigung, Datenübertragbarkeit und Löschung

Die Rolle des Auftragsverarbeiters hinsichtlich der Wahrung von Betroffenenrechten kann, je nach Auftrag, variieren. Der Prozess beim Auftragsverarbeiter hat in jedem Fall Unterstützungshandlungen des für die Verarbeitung Verantwortlichen vorzusehen. Hierzu bedarf es eines Datenschutzprozesses beim Auftragsverarbeiter, der an den Prozess des Verantwortlichen zur Erfüllung der Betroffenenrechte angebunden werden kann. Der Prozess
sollte u.a. vorsehen, dass
• Rollen, Tätigkeiten und Verantwortlichkeiten im Hinblick auf den Auskunftsprozess auf Seiten des Auftragsverarbeiters und die Schnittstelle zum Verantwortlichen umfassend beschrieben sind,
• auftragsbezogene Begehren von Betroffenen geordnet entgegenzunehmen und unverzüglich an
• den zuständigen Verantwortlichen weiterzuleiten sind, es sei denn der Auftragsverarbeiter hat
• sich vertraglich zur Beauskunftung für den Verantwortlichen verpflichtet,
• alle berechtigten Begehren zeitnah und vollständig erfüllt werden können (technische Umsetzung). Dabei sind Rechte Dritter zu wahren, so dürfen z.B. im Rahmen eines Auskunftsbegehrens keine Daten anderer Personen, Mitarbeiter oder Verantwortlicher mitbeauskunftet werden,
• eine Qualitätskontrolle etabliert ist,
• im Falle von veröffentlichten personenbezogenen Daten weitere Verantwortliche über ein Löschbegehren eines Betroffenen informiert werden.

5. Prozessbeschreibung Datenschutzverletzung

Eine Datenschutzverletzung bedeutet einen Sicherheitsvorfall, der zur zufälligen oder unrechtmäßigen Zerstörung, zum Verlust, einer Änderung, unbefugten Offenlegung oder einem unbefugten Zugriff auf die übermittelten, gespeicherten oder anderweitig verarbeiteten personenbezogenen Daten führt. Auch hier hat der Auftragsverarbeiter den Auftraggeber bei Daten, die aus dessen Auftrag resultieren, zu unterstützen. Dies beinhaltet
• eine Beschreibung, wie der Datenschutzprozess des Auftragsverarbeiters an den entsprechenden Prozess des Verantwortlichen angebunden werden kann,
• die Existenz eines Prozesses, um Verstöße gegen die Weisungen des Verantwortlichen oder gegen die Vorschriften zum Schutz personenbezogener Daten zu erkennen und unverzüglich den Verantwortlichen zu informieren. Dazu gehören auch Sachverhalte, die geeignet sind, die Interessen des Verantwortlichen zu tangieren,
• die Existenz eines Prozesses, um Datenschutzverletzungen, die eine gesetzliche Meldepflicht auslösen können, zu erkennen, den Verantwortlichen unverzüglich zu informieren und Maßnahmen zur Schadensminimierung einzuleiten,
• die Existenz eines Prozesses, um eine Datenschutzverletzung zeitnah zu untersuchen und aufzuklären.

VII. IT‐Sicherheitskonzept

Das IT‐Sicherheitskonzept soll den Schutz der Auftragsdaten beschreiben. Dazu müssen alle Räume, Infrastrukturen und IT‐Geräte betrachtet werden, die die Sicherheit der Auftragsdaten beeinflussen können. Netzwerke sind zu betrachten, soweit durch sie Auftragsdaten fließen oder Geräte, die Auftragsdaten speichern oder verarbeiten, an diesem Netzwerk angeschlossen sind. Weitere Auftragsverarbeiter (Unterauftragnehmer) sind in die Betrachtung einzubeziehen, soweit sie
• Zugriff auf Auftragsdaten erlangen können (z.B. Hard‐ und Softwarewartung, als Administratoren),
• für die Leistungserbringung relevant sind (z.B. Rechenzentren, Cloud‐Anbieter, Druckereien, Logistikunternehmen).

Der Auftragsverarbeiter hat ein IT‐Sicherheitskonzept basierend auf der angebotenen Leistung erstellt, das die Sicherheit der Auftragsdaten zum Gegenstand hat. Es erfüllt die Vorgaben zur Risikoabschätzung des Art. 32 Abs. 1 DS‐GVO und folgt einem etablierten Standard (z.B. BSI‐Standard 100‐2 „IT‐Grundschutz‐Vorgehensweise“).
Ist die Art der Auftragsdaten durch den Auftragsverarbeiter nicht erkennbar (z.B. beim Hosting), beschreibt das ITSicherheitskonzept das angebotene Schutzniveau. Die Beschreibung muss hinsichtlich ihrer Konkretheit und Detaillierung einen Verantwortlichen in die Lage versetzen können, zu beurteilen, ob das angebotene Schutzniveau für seinen konkreten Schutzbedarf angemessen ist.

VIII. Datenschutz‐Managementsystem

Da der Auftraggeber die datenschutzrechtliche Verantwortung für die unter seiner Verantwortung erhobenen personenbezogenen Daten trägt und den Auftragsverarbeiter mit der Verarbeitung dieser Daten beauftragt, erwächst für den Auftragsverarbeiter die Verpflichtung, seinerseits die Einhaltung von Datenschutzbestimmungen sicherzustellen. Das Datenschutz‐Managementsystem ist ein Instrument, dieser Verpflichtung nachzukommen und orientiert sich an den Definitionen des Datenschutzkonzepts.

Es beinhaltet u.a.
• die Bestellung eines Datenschutzbeauftragten,
• die Verpflichtung der mit der Datenverarbeitung befugten Personen des Auftragsverarbeiters auf einen vertraulichen Umgang mit Daten sowie ergänzende Schulungsmaßnahmen,
• die stichprobenhafte Kontrolle der angebotenen Leistung auf deren Datenschutzkonformität,
• einen Unterstützungsprozess zur Datenschutz‐Folgenabschätzung, der an den entsprechenden Prozess des Verantwortlichen angebunden werden kann. Dies beinhaltet auch eine Unterstützung bei einer möglichen Konsultation einer Aufsichtsbehörde nach Art. 36 DS‐GVO. Dieser Prozess schließt eine dokumentierte Risikobewertung hinsichtlich der Rechte und Freiheiten betroffener Personen ebenso mit ein, wie Abhilfemaßnahmen, einschließlich Garantien, Sicherheitsvorkehrungen und Verfahren, um identifizierte Risiken zu bewältigen,
• einen Prozess zur regelmäßigen Kontrolle von weiteren Auftragsverarbeitern (Unterauftragnehmer), die für die Leistungserbringung wesentlich sind oder Zugriff auf Auftragsdaten erhalten.

IX. IT‐Sicherheitsmanagementsystem

Ein funktionierendes und dokumentiertes IT‐Sicherheitsmanagementsystem nach dem Stand der Technik gemäß Art. 32 DS‐GVO ist integraler Bestandteil eines wirksamen Datenschutzes. Neben dem Nachweis der Wirksamkeit eines solchen Managementsystems sind auch die Schnittstellen zwischen Datenschutz‐Managementsystem und dem IT‐Sicherheitsmanagement sowie eine redundanzfreie Regelungspyramide von hoher Wichtigkeit. Prozesse zur kontinuierlichen Verbesserung und einer Wirksamkeitsprüfung müssen vorhanden sein.
Der Nachweis eines etablierten IT‐Sicherheitsmanagementsystems ist durch ein Zertifikat möglich (vgl. Art. 42 DS‐GVO).

X. Auftragsmanagementsystem

Das Modul Auftragsmanagementsystem stellt die Kontrolle des weisungsgebundenen Handelns des Auftragsverarbeiters in den Mittelpunkt. Hierdurch soll gewährleistet werden, dass personenbezogene Daten, die im Auftrag verarbeitet werden, nur entsprechend den Weisungen des Verantwortlichen verarbeitet werden (vgl. Art. 29 DS‐GVO). Für ein Auftragsmanagementsystem
ist folgendes elementar:

• Dokumentation von Prozessen zur Auftragsbearbeitung
• und deren Kontrolle,
• Verpflichtung der zur Verarbeitung befugten
• Personen auf Vertraulichkeit,
• Bearbeitung von Weisungen des Auftraggebers
• über einen Prozess (Change Management),
• Information des Verantwortlichen über eine Beauftragung weiterer Auftragsverarbeiter, das Einholen etwaiger Genehmigungen bzw. die Ermöglichung und Umsetzung von Widersprüchen des Verantwortlichen, die Ermöglichung angemessener Prüfungen durch den Verantwortlichen hinsichtlich der Auftragsbearbeitung.

XI. Vertrag zur Auftragsverarbeitung

Gemäß Art. 28 Abs. 9 DS‐GVO kann ein Vertrag zur weisungsgebundenen
Verarbeitung personenbezogener Daten durch den Auftragsverarbeiter schriftlich oder in einem
elektronischen Format abgefasst werden. Dieser Vertrag muss den Anforderungen des Art. 28 DS‐GVO entsprechen.
Anregungen zur Vertragsgestaltung finden sich in der GDD‐Praxishilfe DS‐GVO IV „Mustervertrag zur Auftragsverarbeitung“.
5 Für Verträge im Kontext des Gesundheitswesens besteht ebenfalls ein Muster.6

XII. Beendigung der Leistungsbeziehung

Nach Beendigung eines Auftrages müssen klare Regelungen zwischen Auftragsverarbeiter und Verantwortlichem bestehen, was mit den beim Auftragsverarbeiter vorhandenen Daten geschehen soll (Löschung, Rückgabe, Archivierung oder Weiterverwendung im Rahmen eines Folgeauftrags).
Es existiert ein Prozess zur Auftragsbeendigung, der auch das Löschen oder Zurückgeben der Auftragsdaten an den Verantwortlichen umfasst. Dies schließt sämtliche Daten bei etwaigen weiteren Auftragsverarbeitern mit ein.

5 https://www.gdd.de/downloads/praxishilfen/GDD‐Praxishilfe_
DS‐GVO_4.pdf (letzter Abruf am 01.02.2018)
6 https://www.bvdnet.de/wp‐content/uploads/2017/07/Muster‐
AV‐Vertrag.doc (letzter Abruf am 01.02.2018).

Herausgeber:
Gesellschaft für Datenschutz und Datensicherheit (GDD e.V.)
Heinrich-Böll-Ring 10
53119 Bonn
Tel.: +49 2 28 96 96 75-00
Fax: +49 2 28 96 96 75-25
www.gdd.de
info@gdd.de
Stand:
Version 1.1 (Februar 2018)
Gesellschaft für Datenschutz
und Datensicherheit e.V.

Die Inhalte dieser Praxishilfe wurden erstellt von Steffen Weiß, LL.M. Sie sind teilweise dem
Datenschutzstandard für Auftragsverarbeiter „DS-BvD-GDD-02“ entnommen. Die GDD
dankt dem Berufsverband der Datenschutzbeauftragten Deutschlands (BvD e.V.) für die
freundliche Unterstützung.

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